Magazin der Academy
Digitale Zusammenarbeit braucht Grenzen
Verlässliche digitale Zusammenarbeit braucht keine ständige Verfügbarkeit, sondern gemeinsame Regeln. Erfahre, wie Du mit Deinem Team Antwortzeiten, Besprechungen und geschützte Arbeitsphasen vereinbarst.
Wenn Du mit Kolleginnen und Kollegen in Erfurt, Jena und Gera zusammenarbeitest, sind digitale Nachrichten und Videobesprechungen wichtige Arbeitsmittel. Sie ermöglichen Abstimmung, ohne für jede Rückfrage zum anderen Standort zu fahren. Belastend wird es, wenn aus dieser Möglichkeit die Erwartung entsteht, jederzeit sofort zu reagieren. Verlässliche Zusammenarbeit braucht deshalb gemeinsame Grenzen, nicht dauernde Aufmerksamkeit für jeden Kanal.
Für die künftige Zusammenarbeit ist entscheidend, dass konzentriertes Arbeiten und notwendige Erreichbarkeit zusammenpassen. Du solltest erkennen können, welche Anfrage warten darf und wer bei einem dringenden Anliegen zuständig ist. Das gilt für ein Team innerhalb Thüringens ebenso wie für die Zusammenarbeit mit Standorten in Sachsen und Sachsen Anhalt. Werden diese Erwartungen ausdrücklich vereinbart, lässt sich Arbeit besser planen, ohne wichtige Abstimmungen dem Zufall zu überlassen.
Ursachen
Warum jede Nachricht wie ein Sofortauftrag wirkt
Du arbeitest an einer Auswertung, während im Gruppenchat Rückfragen eintreffen und Dein Postfach neue Nachrichten meldet. Ohne vereinbarte Antwortfristen musst Du bei jeder Meldung selbst einschätzen, ob Deine Reaktion sofort gebraucht wird. Vielleicht antwortest Du vorsichtshalber, obwohl eine Rückmeldung am nächsten Arbeitstag genügen würde. So wird aus einer einfachen Information eine Unterbrechung, die niemand bewusst beauftragt hat.
Volle Besprechungskalender verstärken das Problem, weil für die eigentlichen Aufgaben nur kleine Zeitfenster übrig bleiben. Zugleich kann die unausgesprochene Erwartung entstehen, dass schnelle Antworten besonderes Engagement zeigen. Benachrichtigungen auszuschalten hilft dann nur begrenzt, solange Du Nachteile durch verspätete Reaktionen befürchtest. Sprich deshalb mit Deinem Team und Deiner Führungskraft darüber, welche Erreichbarkeit tatsächlich nötig ist und ob die Arbeitsmenge in die verfügbare Zeit passt.
Fachliches Kernmodell
Aufmerksamkeitsreste erklären, warum Aufgabenwechsel belasten
Die Organisationsforscherin Sophie Leroy beschreibt mit Aufmerksamkeitsresten ein Problem beim Wechsel zwischen Aufgaben. Ein Teil Deiner Aufmerksamkeit kann noch bei der vorherigen Tätigkeit bleiben, während Du bereits die nächste bearbeitest. Besonders unerledigte Aufgaben können es erschweren, Dich vollständig auf das neue Thema einzulassen. Das erklärt, warum häufiges Wechseln anstrengend sein kann, ohne dass sich dafür ein pauschaler Zeitverlust pro Unterbrechung angeben lässt.
Für Deinen Arbeitsalltag lässt sich daraus ein konkreter Versuch ableiten: Vereinbart geschützte Arbeitsphasen und sammelt nicht dringende Rückfragen für einen gemeinsamen Zeitpunkt. Halte vor einem notwendigen Wechsel kurz fest, wo Du stehst und welcher Schritt als Nächstes ansteht. So hast Du bei der Rückkehr einen konkreten Einstiegspunkt. Prüft nach zwei Wochen gemeinsam, ob Aufgaben seltener liegen bleiben und wichtige Anliegen weiterhin rechtzeitig geklärt werden.
Praxisschritte
So vereinbarst Du Antwortzeiten und prüfst Besprechungen
Beginne mit Deinem Team bei den genutzten Kommunikationskanälen und legt für jeden eine realistische Rückmeldefrist fest. Eine mögliche Vereinbarung lautet: Allgemeine Anfragen im Postfach erhalten spätestens am nächsten eigenen Arbeitstag eine erste Rückmeldung, die Lösung kann später folgen. Für dringende Fälle bestimmt Ihr einen eindeutigen Weg, etwa einen Anruf bei der zuständigen Person oder ihrer Vertretung. Haltet außerdem fest, was dringend bedeutet, beispielsweise ein akuter Produktionsstillstand, und berücksichtigt Teilzeit, Abwesenheiten und unterschiedliche Arbeitszeiten.
Prüfe vor jeder Besprechung, welche Entscheidung oder welches konkrete Ergebnis benötigt wird. Lade nur Personen ein, die dafür beitragen oder entscheiden müssen, und stelle anderen das Ergebnis schriftlich bereit. Geht es lediglich um Informationen, kann ein gemeinsames Dokument mit klarer Rückmeldefrist einen Termin ersetzen. Braucht es eine Diskussion, helfen vorbereitete Fragen, eine begrenzte Dauer und dokumentierte Entscheidungen mit Zuständigkeiten und Terminen.
Stolpersteine
Abschalten gelingt nur, wenn Team und Führung mitziehen
Eine dienstliche Nachricht am Abend sagt zunächst nur, wann jemand gearbeitet hat, nicht wann Du antworten musst. Genau diese Trennung zwischen Versandzeit und erwarteter Antwortzeit sollte Dein Team ausdrücklich vereinbaren. Führungskräfte müssen Schutzzeiten respektieren und dürfen schnelle Reaktionen außerhalb vereinbarter Arbeitszeiten nicht zum Maßstab für Engagement machen. Zeitversetztes Versenden kann zusätzlich helfen, unnötige Signale der Dringlichkeit zu vermeiden.
Auch Pausen brauchen Rückhalt, damit Du nicht beim kurzen Spaziergang weiter dienstliche Nachrichten prüfst. Vereinbart, wie notwendige Erreichbarkeit während Deiner Pause durch andere abgedeckt wird, statt sie stillschweigend bei Dir zu belassen. Bleibt die Arbeitsmenge dauerhaft zu hoch, lösen weder bewusste Smartphone Nutzung noch Entspannungsübungen das Grundproblem. Dann müssen Führung und Team klären, welche Aufgaben entfallen, welche Fristen sich ändern und welche personellen oder zeitlichen Ressourcen fehlen.
Weiterbildung
Mehr Mediensouveränität für Deinen Arbeitsalltag entwickeln
Gemeinsame Regeln schaffen den Rahmen, persönliche Mediengewohnheiten füllen ihn im Alltag aus. Im Seminar „Weniger digitaler Stress“ mit dem Untertitel „Mehr Mediensouveränität“ beschäftigst Du Dich mit digitalen Stressauslösern und selbstbestimmter Mediennutzung. Dazu gehören Strategien für konzentriertes Arbeiten, ein bewussterer Umgang mit Deinem Smartphone sowie erholsame Pausen und Entspannung. Ziel ist nicht der vollständige Verzicht auf digitale Medien, sondern ein Umgang, der zu Deinen Aufgaben und Deinen Erholungsbedürfnissen passt.
Bringe dafür eine konkrete Situation aus Deinem Arbeitsalltag mit, etwa den überfüllten Kalender oder den abendlichen Blick auf dienstliche Nachrichten. Verbinde Deine persönlichen Veränderungen anschließend mit einer Vereinbarung im Team, beispielsweise einer geschützten Arbeitsphase oder einer klaren Antwortfrist. Wenn Du diese Themen vertiefen möchtest, kannst Du das Seminar bei der value.work academy unverbindlich anfragen. So lässt sich klären, wie die Weiterbildung zu Deinem Bedarf und zur Zusammenarbeit in Deinem Team passt.
Kostenloser Selbsttest
Wie klar sind Deine digitalen Grenzen?
Dieser kostenlose Selbsttest zeigt Dir, wie Du mit digitalen Unterbrechungen, Erreichbarkeit und Pausen im Arbeitsalltag umgehst. Du erkennst, wo persönliche Gewohnheiten Dich entlasten können und wo Du gemeinsame Regeln mit Deinem Team brauchst.
15 Fragen, etwa 5 Minuten
Kontakt
Wissen ist der erste Schritt, Übung bringt die Wirkung
Schreib uns, welche Situation bei Euch ansteht. Jede Anfrage ist unverbindlich.
